Was passiert noch am Ausbildungsmarkt?

Zurück

Was passiert noch am Ausbildungsmarkt?

Rund 2.000 Ausbildungsstellen verzeichnete die Arbeitsagentur in der Region Ende Mai als noch unbesetzt

Bis Ende Mai hatten Arbeitgeber in Stadt Osnabrück und Landkreis Osnabrück 3.980 Ausbildungsstellen gemeldet, ein Rückgang um 764 gegenüber dem Vorjahr. Das teilt die Agentur für Arbeit mit. Von den aktuellen Stellen waren zum Stichtag 2.050 unbesetzt. Diesen gegenüber standen 2.554 Bewerber für Ausbildungsstellen (317 weniger als im Mai 2019), 1.167 davon noch unversorgt.

Aktuelles © Thorben Wengert  / PIXELIO© Thorben Wengert / PIXELIODie Rückgänge bei den Bewerbern in Höhe von elf Prozent seien in erster Linie auf den fehlenden Abiturjahrgang zurückzuführen, so Christiane Fern, Leiterin der Osnabrücker Arbeitsagentur, aber auch auf den Trend unter jungen Menschen, sich gegen eine Ausbildung zu entscheiden.  Der Schwund von 16,1 Prozent der Ausbildungsstellen habe hingegen drei wesentliche Gründe: „Zunächst haben Arbeitgeber darauf reagiert, dass der fehlende Abitursjahrgang weniger potentielle Bewerber bedeutet. Manche Angebote haben die Arbeitgeber daher schon ein Jahr vorgezogen. Zweitens haben sich Arbeitgeber gegen Ausbildungen entschieden, da sie in der Vergangenheit einfach keine passenden Azubis gefunden haben. Und drittens hat die Corona-Krise zu Stornierungen geführt. Bundesweit betrifft das bis zu einem Drittel der Stellenrückgänge. Allerdings haben in unserer Region nur wenige Unternehmen die Stellen wirklich zurückgezogen, viele warten die weitere wirtschaftliche Entwicklung erst einmal ab.“

Viele Stellen im kaufmännischen Bereich noch unbesetzt.

Rein rechnerisch bieten sich bei 1,76 offenen Plätzen pro suchendem Bewerber noch gute Chancen. Unter den offenen Stellen finden sich der Statistik zufolge noch diverse Plätze im kaufmännischen Umfeld – im Einzelhandel, in der Industrie, im Bereich Büromanagement, im Groß- und Außenhandel sowie im Sektor Spedition und Logistikdienstleistungen. Gesucht werden zudem Auszubildende im Bereich Fachkraft Lagerlogistik, im Verkauf, Elektroniker „Energie und Gebäudetechnik“, Anlagenmechaniker sowie Metallbauer „Konstruktionstechnik“ und Berufskraftfahrer. Eigentlich gute Chancen für Ausbildungsinteressierte, doch erschwert die Corona-Krise derzeit noch das Zusammenkommen von Arbeitgebern und Auszubildenden. Fern: „Die derzeitigen Ungewissheiten haben zur Folge, dass Einstellungsprozesse sich verlangsamen, Entscheidungen werden verschoben. Bewerber melden uns zurück, dass sie nur schleppend Antworten auf ihre Bewerbungen bekommen. Das macht die Suche nicht einfacher und sorgt mitunter auch für Frust.“

Abgeschlossene Berufsausbildung wichtig, keinen Corona-Jahrgang entstehen lassen.

Für junge Menschen sei es aber wichtig, eine abgeschlossene Ausbildung vorweisen zu können. „Im Moment ist der Einstieg in den Arbeitsmarkt ohnehin für die meisten Personengruppen nicht leicht“, so Fern. „Wer dann noch keine abgeschlossene Ausbildung hat, hat es ungleich schwerer, eine Stelle zu finden. Deswegen dürfen wir jetzt keinen Corona-Jahrgang ohne Ausbildung entstehen lassen!“ Auch die Betriebe hat die Expertin im Blick. So werde im Zuge der Pandemie-Lockerungen und mit zunehmender wirtschaftlicher Erholung der Bedarf an ausgebildeten Fachkräften wieder deutlich steigen. „Allein schon deshalb wäre es fatal, wenn die Ausbildung jetzt unter die Räder käme“, warnt Fern. „Wir müssen alle daran arbeiten, den Motor wieder anzuwerfen und zurück auf Kurs zu kommen. Auch die Unternehmen sollten hier viel Weitsicht zeigen, um hinterher nicht mit leeren Händen dazustehen. Der demografische Faktor könnte dann sein Übriges tun, wenn die ältere Generation das aktive Arbeitsleben beendet.“ Die „Ausbildungsregion Osnabrück“ – ein Zusammenschluss der wichtigsten Arbeitsmarktakteure in Stadt und Landkreis – arbeite daher daran, das Thema Ausbildung weiter in den Fokus zu rücken. So würden zeitnah verstärkt virtuelle Speed-Datings für Ausbildungsstellen organisiert. Ein weiterer Leuchtturm sei die diesmal stattfindende „Ausbildung 49 digital“ als Anlaufpunkt für Ausbildungsinteressierte in der Region.

Politische Unterstützung hilfreich.

Auch politische Unterstützung sei für die Betriebe in der Corona-Krise nötig, so die Agenturleiterin. Dem sei die Bundesregierung im Rahmen ihres Konjunkturpakets nachgekommen. So erhielten kleine und mittlere Unternehmen, die ihr Ausbildungsplatzangebot 2020 im Vergleich zu den drei Vorjahren nicht verringern, für jeden neu geschlossenen Ausbildungsvertrag eine einmalige Prämie in Höhe von 2.000 Euro. Unternehmen, die ihr Angebot an Ausbildungsplätzen sogar erhöhen, könnten für jeden zusätzlichen Ausbildungsvertrag mit einem Bonus von 3.000 Euro rechnen. Darüber hinaus schlage das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, vor, der Staat solle Betriebe bis zum 30. Juni 2021 bei den Kosten der Ausbildung entlasten. Außerdem solle der Staat befristet die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers tragen.

Weiter Chancen für Bewerber.

Fern sieht derweil weiterhin Chancen für Ausbildungssuchende: „Die meisten Unternehmen haben ihre Stellen nicht storniert. Die Bereitschaft ist also grundsätzlich weiter da, Nachwuchs auszubilden. Auch ist es immer mal wieder zu Einstellungen gekommen. Dann fanden Vorstellungsgespräche telefonisch oder per Videoschalte statt. Das zeigt, dass es sich für Bewerber weiter lohnt, am Ball zu bleiben. Wir sind überzeugt, dass mit zunehmenden Lockerungen noch einige Ausbildungsverträge geschlossen werden – und dass auch im August, September oder sogar noch im Oktober.“

Bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur melden.

Fern appelliert an Ausbildungssuchende, sich umgehend bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur zu melden. Zwar gebe es derzeit noch keine persönlichen Termine in der Agentur. Aber telefonisch oder per E-Mail stünden die Kolleginnen und Kollegen der Berufsberatung den jungen Menschen gerne zur Verfügung. Fern: „Die Berufsberater sind sehr erfahren. Sie können Orientierung geben in dem Wust von bundesweit 400 Ausbildungsberufen und 18.000 Studiengängen, kennen die Angebote in der Region bestens und unterbreiten bei Bedarf individuelle Förderangebote. Das alles kann in dieser Situation durchaus den Unterschied ausmachen.

Tel. (regionale Sammelrufnummer): 0541 980 700

Tel. (zentrale Service-Hotline): 0 800 4555 500

E-Mail: Berufsberatung-Osnabrueck@arbeitsagentur.de

https://www.arbeitsagentur.de/bildung/berufsberatung

 

 

Meldung vom 09.06.2020