Trauer um den Stadtmusikanten von Melle

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Trauer um den Stadtmusikanten von Melle

Gerd Kruse ist nach schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren verstorben

Nach schwerer Krankheit hat Gerd Kruse im Alter von 72 Jahren seine Augen für immer geschlossen. Zusammen mit seiner Familie trauern im Grönegau und darüber hinaus zahlreiche Menschen um eine Persönlichkeit, die sich Zeit ihres Lebens einem großen Thema verschrieben hatte: der Musik. Ob als Dirigent, Organist, Arrangeur oder Carillonneur am Meller Glockenspiel – der Musiker aus Leidenschaft hat in seiner Heimatstadt Melle nicht nur Zeichen gesetzt, sondern auch Spuren hinterlassen. Ein Nachruf auf einen Mann, der für die Musik gelebt hat.

Hat seine Augen für immer geschlossen: Gerd Kruse.Hat seine Augen für immer geschlossen: Gerd Kruse.© Harald KirchhoffVon Jürgen Krämer

Das freiheitlich-demokratische Gemeinwesen lebt davon, dass Bürger ehrenamtlich an seiner Gestaltung mitwirken und einen Teil ihrer Lebenszeit für das Gemeinwohl einbringen. Denn von der Vielzahl und der Vielfalt solcher freiwilligen Tätigkeiten hängt die Qualität des Lebens auch in einer Stadt wie Melle entscheidend ab – und zu dieser Lebensqualität hat Gerd Kruse jahrzehntelang seinen ganz persönlichen Beitrag geleistet – engagiert, kompetent und mit dem Herz am rechten Fleck.

Gerd Kruse war ein bekennender Christ. Kein Wunder also, dass er unter dem Dach „seiner“ evangelisch-lutherischen Kirche 55 Jahre lang an zahlreichen Orten segensreich wirkte: So war er seit 1965 als Organist in der evangelisch-lutherischen Paulus-Kirchengemeinde Melle tätig. In dieser Zeit leitete er von 1972 bis 2015 den Posaunenchor und seit 1980 den Kirchenchor der Gemeinde, in der er sich ebenfalls seit dem Jahre 1980 als Lektor einbrachte. Und unvergessen ist auch sein Engagement in der Ökumenischen Übernachtungsstelle in Melle, mit dem er im Jahre 1994 begann. Auch innerhalb des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Melle-Georgsmarienhütte übernahm Gerd Kruse Verantwortung – und zwar als Sprecher der Lektoren und Prädikanten.

Aber nicht nur innerhalb der Kirche – auch in der Stadtgesellschaft leistete Gerd Kruse über viele Jahrzehnte hinweg wertvolle ehrenamtliche Arbeit: Beispielsweise in den Jahren 1972 bis 1985 als Chorleiter der Sängervereinigung Westerhausen und in der Zeit von 1998 bis 2016 als Dirigent des Männergesangvereins „Sängerlust“ Eicken. Und als es im Jahre 2018 darum ging, das Amt des Vorsitzenden im Sängerbund Grönegau mit einer kompetenten Persönlichkeit zu besetzen, ließ sich Gerd Kruse abermals in die Pflicht nehmen, um auch in dieser Position das voranzutreiben, was ihm zeitlebens eine ganz besondere Herzensangelegenheit war: die Pflege der Musik.

In einem weiteren Ehrenamt machte Gerd Kruse rund fünfeinhalb Dekaden auch überregional von sich reden – und zwar seit 1966 als Carilloneur am Meller Glockenspiel. In dieser Funktion leistete er Unermessliches. Das Ganze ist als dermaßen großartig zu bezeichnen, dass an dieser Stelle nur einige Anlässe gestreift werden können, an denen er die Glocken zur Freude der Menschen erklingen ließ: Zum Beispiel im Rahmen der Meller Wandelkonzerte, die für einen harmonischen Dreiklang zwischen der Christian-Vater-Orgel in der St.-Petri-Kirche, dem Glockenspiel auf dem Rathausdach und der Klausing-Orgel in der Kirche St. Matthäus sorgten. Nicht unerwähnt bleiben darf an dieser Stelle auch die musikalische Begleitung der Meller Nikolausfeier, die er stets mit stimmungsvollen Advents- und Weihnachtsliedern ausgestaltete. Was darüber hinaus nicht unerwähnt bleiben darf: Die ungezählten Stadtfeste wie den Geranienmarkt, das Herbstfest oder das „Fabelhafte Melle“, die Gerd Kruse immer dazu nutzte, mit „seinem“ Glockenspiel in der Meller Innenstadt einen akustischen Klangteppich auszubreiten. Und wenn Delegationen aus den insgesamt 14 Partnerstädten in Melle weilten, dann war es Kruse, der die Gäste am Glockenspiel mit den jeweiligen Nationalhymnen ihrer Heimatländer erfreute.

In seiner Funktion als Carilloneur entwickelte sich Gerd Kruse im Laufe der Jahrzehnte zu einem Original, das aus dem Stadtbild nicht hinwegzudenken war. Mehr noch: „Du warst und bist der Meller Stadtmusikant – eine Institution, um den uns viele andere Kommunen beneiden“, sagte Bürgermeister Reinhard Scholz wertschätzend, als er Gerd Kruse kurz vor dem Weihnachtsfest 2020 im Namen des Rates der Stadt Melle die städtische Ehrenmedaille überreichte.

Bereits während dieser Würdigung war Gerd Kruse von schwerer Krankheit gezeichnet. Am 1. April 2021 ist er nun verstorben. Die Urne mit seiner Asche wurde in den Mittagsstunden des 16. April 2021 – aufgrund der Corona-Pandemie im engsten Kreis – auf dem Friedhof in Melle-Mitte bestattet.

Meldung vom 16.04.2021