Wie am Meller Berg durch Naturverjüngung neue Waldgeneration entsteht

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Wie am Meller Berg durch Naturverjüngung neue Waldgeneration entsteht

Stadt Melle generiert nach schweren Trockenschäden mit gezielten Maßnahmen einen Nutzen für die Ökologie

Ausgeprägte Trockenschäden zwangen die Verantwortlichen zum Handeln: Um die Verkehrssicherheit wiederherzustellen und Gefahren für die Bevölkerung abzuwenden, hat die Stadt Melle unlängst auf einem Waldstück nördlich der Pestelstraße umfangreiche Gehölzarbeiten durchführen lassen. Im Zuge der Maßnahme wurden vor allem die dort vorhandenen stark geschädigten Buchen gefällt – und zwar auf rund 90 Prozent der Fläche. Was auf den ersten Blick betroffen macht, entpuppt sich bei näherer Betrachtung jedoch als ein in die Zukunft gerichtetes Projekt – konnte doch mit der ungewöhnlichen Umsetzung des Vorhabens die Grundlage für eine neue Waldgeneration gelegt werden.

Eine neue Waldgeneration entsteht: Bei der Wiederaufforstung der Fläche am Meller Berg setzt die Stadt Melle auf Naturverjüngung.Eine neue Waldgeneration entsteht: Bei der Wiederaufforstung der Fläche am Meller Berg setzt die Stadt Melle auf Naturverjüngung.© Stadt Melle„Der Anblick des jetzigen Zustandes ist bedrückend, führt er uns doch die Auswirkungen der klimatischen Veränderung der vergangenen Jahre vor Augen“, stellt der städtische Umweltbeauftragte Thilo Richter fest. Obwohl es schmerze, einen derartigen Waldbestand schwinden zu sehen, hätten die Verantwortlichen aus der Misere das Beste gemacht und einen Nutzen für die Ökologie generiert.

In konstruktiver Zusammenarbeit mit Förster Werner Scholz von der Bezirksförsterei Melle-Nord der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und in enger Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Osnabrück sei es gelungen, auf der Fläche vielfältige ökologische Aspekte zu berücksichtigen, erläutert Richter. So wurde auf dem Areal nach Abschluss der Baumfällungen ein sehr hoher Totholzanteil zurückgelassen – Material, aus dem unter anderem eine Benjes- beziehungsweise Totholzhecke entstand. „Die Struktur aus dickem und dünnem Holz sorgt für unterschiedliche, parallel stattfindende Zersetzungsprozesse durch Insekten und Pilze. Besonders totes Starkholz mit einem großen Durchmesser wird einen hohen ökologischen Wert entwickeln“, macht der Umweltbeauftragte deutlich, während Revierförster Werner Scholz ergänzt: „Es ist nicht häufig der Fall, dass in derartigem Ausmaß Totholz belassen wird wie hier am Kleft.“ Ein aus ökologischer Sicht positiver Aspekt, den auch Klaus Lichy vom Umweltbüro unterstreicht: „Obwohl es auf den ersten Blick chaotisch aussieht, wurde das Totholz sinnvoll verwendet. Was für Menschen mit einem hohen Anspruch an Ordnung negativ behaftet sein mag, besitzt für die Tierwelt einen hohen Nutzen.“

Bei der Wiederaufforstung der Fläche setzt die Stadt Melle auf Naturverjüngung: „Die im Zuge der Gehölzarbeiten entstandene Verletzung des Waldbodens sorgt dafür, dass die vorhandenen Früchte wie Bucheckern und Eicheln keimen können – und natürlich ausgesamte Jungpflanzen stehen für die neue Waldgeneration“, sagt Thilo Richter. „Diese sind sozusagen vom ersten Wurzelausschlag an die Standortbedingungen gewöhnt und es werden sich nur solche Pflanzen durchsetzen, die mit der Trockenheit zurechtkommen.“

Da es nicht möglich war, alle auf der Fläche vorhandenen Höhlenbäume zu erhalten, sollen jetzt adäquate Kompensationsmaßnahmen durchgeführt werden. So sehen die mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmten Planungen vor, an geeigneten Stellen Nistkästen für Höhlenbrüter und Fledermäuse als Ausgleich für gefällte Höhlenbäume anbringen zu lassen – und das nicht nur auf dem eigentlichen Areal, sondern auch auf den umliegenden Flächen.

Meldung vom 07.06.2021